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Wie anfällig bist du für Höhenkrankheit? Risikofaktoren im Überblick

Veröffentlicht 8. März 2026 · 13 Min. Lesezeit

Die Anfälligkeit für Höhenkrankheit ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Manche bekommen schon um 2500 Meter Beschwerden, während andere oberhalb von 4000 Metern problemlos funktionieren. Die Anfälligkeit für Höhenkrankheit wird durch eine Kombination aus Physiologie, Aufstiegstempo und Akklimatisierung bestimmt. Deshalb ist es wichtig, vorab realistisch einzuschätzen, wie groß dein Risiko ist.

Viele Bergreisende glauben, eine gute Kondition biete genug Schutz. Das stimmt nicht. Auch fitte Sportler können eine Höhenkrankheit entwickeln, wenn sie zu schnell aufsteigen oder sich zu wenig Zeit für die Akklimatisierung nehmen. In diesem Artikel ordnen wir die wichtigsten Risikofaktoren übersichtlich ein, damit du besser einschätzen kannst, wie anfällig du für Höhenkrankheit bist und was du tun kannst, um Problemen vorzubeugen.

Du erfährst, welche Faktoren wirklich schwer wiegen, welche Annahmen oft falsch sind und wie du dich mit objektivem Monitoring klüger vorbereiten kannst. Damit ist dieser Artikel nicht nur ein Erklärstück, sondern auch ein praktischer Entscheidungsleitfaden für Trekker, Alpinisten und Expeditionsteilnehmer.

Das Wesentliche in 30 Sekunden

  • Höhenkrankheit entsteht durch den niedrigeren Sauerstoffdruck in der Höhe.
  • Jeder kann eine Höhenkrankheit bekommen, auch Menschen mit ausgezeichneter Kondition.
  • Die Anfälligkeit für Höhenkrankheit hängt vor allem mit dem Aufstiegstempo, früheren Beschwerden und der individuellen physiologischen Reaktion zusammen.
  • Ein schneller Wechsel in große Höhe erhöht das Risiko stark.
  • Mit langsamer Akklimatisierung und Vorakklimatisierung kannst du die Wahrscheinlichkeit einer Höhenkrankheit deutlich senken.

Was bestimmt die Anfälligkeit für Höhenkrankheit?

Die Anfälligkeit für Höhenkrankheit wird vor allem davon bestimmt, wie dein Körper auf Sauerstoffmangel reagiert. In der Höhe sinkt der Sauerstoffpartialdruck. Dadurch gelangt pro Atemzug weniger nutzbarer Sauerstoff ins Blut. Der Körper muss sich daran anpassen, aber nicht jeder tut das gleich schnell oder gleich effizient.

Diese Anpassung läuft unter anderem über eine schnellere Atmung, Veränderungen der Herzfrequenz, Verschiebungen im Flüssigkeitshaushalt und mit der Zeit eine erhöhte Bildung roter Blutkörperchen. Trotzdem reagieren Menschen darauf sehr unterschiedlich. Das erklärt, warum zwei Personen mit demselben Trainingsniveau auf exakt derselben Höhe völlig andere Beschwerden erleben können.

Die Anfälligkeit für Höhenkrankheit ist also keine Frage von Willenskraft oder mentaler Härte. Es ist vor allem eine biologische und praktische Frage: Wie schnell steigst du auf, wie reagiert dein Körper und wie gut gibst du dir Zeit, dich anzupassen?

Warum Höhenkrankheit oft falsch verstanden wird

Höhenkrankheit gilt noch immer oft als etwas, das vor allem untrainierten oder unvorbereiteten Menschen passiert. Dieses Bild stimmt nicht. In der Praxis sieht man gerade regelmäßig, dass ehrgeizige und fitte Bergsportler in Schwierigkeiten geraten, weil sie zu schnell nach oben wollen, ihren Körper überschätzen oder frühe Signale ignorieren.

Ein weiteres Missverständnis ist, dass Höhenkrankheit nur in extremen Höhen ein Problem sei. In Wirklichkeit können die ersten Beschwerden schon ab etwa 2500 Metern auftreten. Ab 3000 Metern nimmt das Risiko deutlich zu, und oberhalb von 4000 Metern ist Akklimatisierung für viele Menschen unverzichtbar. Laut der International Society for Mountain Medicine können Symptome der akuten Höhenkrankheit bereits ab diesen Höhenzonen auftreten, besonders bei schnellen Aufstiegen. Mehr dazu bei der International Society for Mountain Medicine.

Deshalb ist es klüger, nicht in Kategorien wie „ich bin fit, also wird es schon gehen“ zu denken, sondern in Kategorien von Risiko, Anpassung und Monitoring.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Höhenkrankheit

1. Schnelles Aufstiegstempo

Der wichtigste Risikofaktor ist ohne Zweifel, wie schnell du aufsteigst. Je schneller deine Schlafhöhe zunimmt, desto weniger Zeit hat dein Körper, sich an den Sauerstoffmangel anzupassen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen und anderen Beschwerden stark an.

Eine gängige Richtlinie ist, oberhalb von 2500 Metern die Schlafhöhe um nicht mehr als 300 bis 500 Meter pro Tag zu erhöhen. Außerdem ist es sinnvoll, alle 3 bis 4 Tage einen zusätzlichen Akklimatisierungstag einzuplanen. Wer diesen Schritt auslässt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine normale Reaktion auf die Höhe in eine echte Höhenkrankheit umschlägt.

Mehr Vertiefung dazu findest du im Leitfaden zum Thema Höhenkrankheit vorbeugen.

2. Frühere Höhenkrankheit

Hattest du schon einmal eine Höhenkrankheit, ist das ein wichtiger Hinweis darauf, dass du erneut anfällig sein kannst. Frühere Beschwerden gehören zu den stärksten Vorhersagefaktoren. Das gilt besonders, wenn die Beschwerden schon in relativ bescheidenen Höhen auftraten oder wenn du trotz eines eher ruhigen Aufstiegsplans Symptome bekommen hast.

Das bedeutet nicht, dass du keine Bergtouren mehr machen kannst. Es bedeutet aber, dass du deine Vorbereitung ernster nehmen musst. Menschen mit einer bekannten Anfälligkeit für Höhenkrankheit profitieren oft stark von einem strafferen Akklimatisierungsplan, besserem Monitoring und in manchen Fällen einer Vorakklimatisierung im Vorfeld.

3. Individuelle physiologische oder genetische Anfälligkeit

Nicht jeder reagiert gleich auf die Höhe. Ein Teil dieser Unterschiede scheint genetisch oder physiologisch bedingt zu sein. Manche Menschen steigern ihre Atmung schnell und wirksam, während andere weniger stark reagieren. Auch die Regulation von Flüssigkeit in Gehirn und Lunge ist von Person zu Person verschieden, ebenso wie das Maß, in dem der Körper mit Sauerstoffmangel umgehen kann.

Dadurch kann die Anfälligkeit für Höhenkrankheit selbst bei vergleichbarer Vorbereitung stark auseinandergehen. Das ist auch der Grund, warum es keinen einfachen Heimtest gibt, der exakt vorhersagt, wie du in der Höhe reagieren wirst.

4. Hohe Starthöhe deiner Reise

Je höher deine Reise beginnt, desto größer das Risiko. Fliegst du direkt an ein Ziel auf 3000 bis 3600 Metern und schläfst dort sofort, nimmt die Wahrscheinlichkeit von Beschwerden deutlich zu. Dein Körper wird dann abrupt einem niedrigeren Sauerstoffdruck ausgesetzt, ohne allmählichen Übergang.

Beispiele für riskante Startsituationen sind:

  • direkte Ankunft in La Paz oder Cusco
  • ein Trekking, das direkt oberhalb von 3000 Metern beginnt
  • eine Bergroute, auf der du schon an Tag 1 erheblich an Höhe gewinnst

In solchen Situationen ist besondere Vorsicht geboten, auch wenn du dich bei der Ankunft fit fühlst.

5. Zu starke Belastung in den ersten Tagen

Die ersten Tage in der Höhe sind für die Anpassung gedacht, nicht für Leistungsdrang. Wer sofort zügig wandert, schnell klettert oder harte Trainingseinheiten absolviert, erhöht die Belastung für einen Körper, der durch den Sauerstoffmangel ohnehin unter Druck steht.

Dadurch können milde Signale schneller in echte Beschwerden umschlagen. Ruhig zu starten ist deshalb kein Zeichen von Schwäche, sondern von klugem Verhalten am Berg.

6. Schlechter Schlaf und unzureichende Erholung

Ein gestörter Schlaf ist in der Höhe ganz normal. Wenn sich die Schlafqualität aber über mehrere Nächte deutlich verschlechtert und das mit Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Appetitverlust einhergeht, kann das auf eine unzureichende Akklimatisierung hinweisen. Schlaf ist nicht nur ein Träger von Symptomen, sondern auch ein Moment der Erholung. Schlechte Nächte können das Risiko weiterer Beschwerden erhöhen.

Was kein verlässlicher Vorhersagefaktor ist

Gute Kondition

Eine gute Kondition schützt nicht vor Höhenkrankheit. Das ist einer der wichtigsten Punkte, die du dir merken solltest. Fitte Menschen können sogar ein höheres Risiko haben, wenn sie deshalb schneller aufsteigen, härter durchgehen oder ihre Symptome zu spät ernst nehmen.

Alter

Das Alter ist kein klarer oder konsistenter Vorhersagefaktor. Jüngere Reisende sind nicht automatisch geschützt, und ältere Reisende sind nicht automatisch verletzlicher. Die individuelle Reaktion und die Art des Aufstiegs wiegen schwerer.

Geschlecht

Es gibt keinen überzeugenden Beleg dafür, dass Männer oder Frauen grundsätzlich anfälliger für Höhenkrankheit sind. Der Verlauf wird vor allem durch die individuelle Reaktion und das Verhalten in der Höhe bestimmt.

Wie groß ist dein Risiko für Höhenkrankheit? Self-Check mit 5 Fragen

Willst du schnell eine erste Einschätzung deines Risikos für Höhenkrankheit bekommen? Dann nutze diesen praktischen Self-Check. Er ist keine medizinische Diagnose, aber eine nützliche Methode, um deine Anfälligkeit für Höhenkrankheit vorab besser einzuordnen.

  1. Hattest du schon einmal eine Höhenkrankheit?
    Ja = erhöhtes Risiko.
  2. Beginnt deine Reise direkt oberhalb von 2500 bis 3000 Metern?
    Ja = erhöhtes Risiko.
  3. Steigst du in kurzer Zeit über mehrere Schlafhöhen hintereinander auf?
    Ja = erhöhtes Risiko.
  4. Hast du wenig Spielraum für Ruhetage oder Akklimatisierung?
    Ja = erhöhtes Risiko.
  5. Reagierst du bei früherer Höhe oder Hypoxie schnell mit Kopfschmerzen, schlechtem Schlaf oder einem deutlichen SpO2-Abfall?
    Ja = erhöhtes Risiko.

Auswertung:

  • 0 bis 1 Mal ja: niedriges bis mäßiges Risiko, abhängig von Höhe und Tempo.
  • 2 bis 3 Mal ja: deutlich erhöhtes Risiko, besonders vorsichtig planen.
  • 4 bis 5 Mal ja: hohes Risiko, Akklimatisierung und Vorbereitung sind unverzichtbar.

Dieser Self-Check funktioniert vor allem in Kombination mit einem realistischen Aufstiegsplan und einer ehrlichen Bewertung früherer Erfahrungen. Genau daran scheitert es in der Praxis oft.

Woran erkennst du eine hohe Anfälligkeit für Höhenkrankheit?

Es gibt keinen einfachen Test, der vorab exakt vorhersagt, wie anfällig jemand für Höhenkrankheit ist. Trotzdem gibt es klare Signale, die auf ein erhöhtes Risiko hinweisen. Je mehr dieser Faktoren auf dich zutreffen, desto ernster solltest du deine Vorbereitung angehen.

  • du hattest schon einmal eine Höhenkrankheit
  • deine Reise beginnt direkt in großer Höhe
  • du steigst in kurzer Zeit über mehrere Schlafhöhen hintereinander auf
  • dein Schlaf hat sich bei früheren Höhenreisen schnell verschlechtert
  • deine SpO2 sinkt deutlich und erholt sich über mehrere Tage nur langsam
  • du reagierst in der Höhe schnell mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder vermindertem Appetit

Menschen mit einer hohen Anfälligkeit für Höhenkrankheit merken oft, dass ihr Körper schneller protestiert als der ihrer Reisegefährten. Das Wichtigste ist dann nicht, weiterzudrücken, sondern früher zu verlangsamen, zu überwachen und wo nötig anzupassen.

Symptome, die auf eine beginnende Höhenkrankheit hinweisen

Die ersten Symptome entstehen meist innerhalb von 6 bis 24 Stunden nach der Ankunft in größerer Höhe. Am Anfang sind sie manchmal subtil. Gerade deshalb werden sie oft unterschätzt. Eine hohe Anfälligkeit für Höhenkrankheit äußert sich nicht immer sofort in schweren Beschwerden, sondern oft zuerst in kleinen Signalen, die immer deutlicher werden.

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • weniger Appetit
  • Schwindel
  • schlechter Schlaf
  • ungewöhnliche Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit bei Belastung

Mehr Erklärungen zu diesen Signalen findest du unter Höhenkrankheit: Symptome und Risiken.

Ab welcher Höhe nimmt das Risiko wirklich zu?

Nicht jede Höhe bringt dasselbe Risiko mit sich. Die folgende Tabelle gibt einen praktischen Überblick. Es handelt sich um eine allgemeine Orientierung. Individuelle Anfälligkeit und Aufstiegstempo bleiben entscheidend.

Höhe Allgemeines Risiko Praktische Interpretation
1500 bis 2000 m Sehr niedrig Für die meisten Menschen keine relevanten Beschwerden
2500 m Niedrig bis mäßig Erste Symptome sind bei empfindlichen Personen möglich
3000 bis 3500 m Mäßig Risiko nimmt deutlich zu, vor allem bei schnellem Aufstieg
4000 bis 4500 m Hoch Gute Akklimatisierung wird für viele Menschen notwendig
5000 m und höher Sehr hoch Ohne Vorbereitung und straffes Tempo steigt das Risiko stark

Kannst du testen, ob du anfällig für Höhenkrankheit bist?

Viele fragen sich, ob es einen Test gibt, mit dem sich vorab bestimmen lässt, wie anfällig man für Höhenkrankheit ist. Die kurze Antwort lautet: Es gibt keinen Test, der das mit Sicherheit vorhersagen kann.

Die Anfälligkeit für Höhenkrankheit wird nämlich von mehreren Faktoren gleichzeitig beeinflusst. Dazu gehören das Aufstiegstempo, frühere Höhenexposition, die individuelle physiologische Reaktion und die Art, wie sich dein Körper an Sauerstoffmangel anpasst.

Trotzdem gibt es einige medizinische Tests, die Einblick geben können, wie dein Körper auf eine sauerstoffarme Umgebung reagiert.

Hypoxia tolerance test oder Hypoxietoleranztest

Eine der bekanntesten Untersuchungen ist der hypoxia tolerance test, manchmal auch hypoxic ventilatory response test genannt. Im Deutschen spricht man manchmal von einem Hypoxietoleranztest. Während dieses Tests atmet eine Person für kurze Zeit Luft mit einem niedrigeren Sauerstoffanteil, vergleichbar mit den Bedingungen in größerer Höhe.

Ärzte oder Forscher schauen dann unter anderem auf:

  • die Veränderung der Atemfrequenz
  • die Reaktion der Herzfrequenz
  • den Abfall der Sauerstoffsättigung oder SpO2
  • eventuelle Symptome wie Schwindel oder Kopfschmerzen

Ziel dieses Tests ist es zu sehen, wie stark der Körper auf Sauerstoffmangel reagiert.

Warum dieser Test Höhenkrankheit nicht gut vorhersagen kann

Obwohl ein Hypoxietest nützliche Informationen liefern kann, zeigen Forschung und Praxiserfahrung, dass der Vorhersagewert für Höhenkrankheit begrenzt ist. Menschen, die in einem Labortest gut auf Hypoxie reagieren, können während einer echten Bergtour trotzdem Beschwerden entwickeln.

Umgekehrt können Menschen mit einer weniger starken Testreaktion manchmal problemlos akklimatisieren, wenn sie langsam aufsteigen. Deshalb betrachten Höhenmediziner diese Tests meist nicht als verlässlichen Vorhersagefaktor für Höhenkrankheit. Praktische Faktoren wie ein ruhiges Aufstiegstempo, frühere Erfahrungen in der Höhe und ein guter Akklimatisierungsplan erweisen sich meist als viel wichtiger.

Ein realistischerer Weg, dein Risiko einzuschätzen

In der Praxis schauen Höhenmediziner und Expeditionsveranstalter vor allem auf eine Kombination von Faktoren, um das Risiko einer Höhenkrankheit einzuschätzen:

  • frühere Erfahrungen mit Höhe
  • das geplante Aufstiegstempo der Route
  • die Starthöhe der Reise
  • die Reaktion des Körpers auf frühere Hypoxie-Exposition

Mehr Hintergrund dazu liest du in dem kompletten Leitfaden zur Höhenkrankheit.

Vorakklimatisierung als praktische Vorbereitung

Manche Bergreisende entscheiden sich dafür, vorab eine Phase der Vorakklimatisierung zu durchlaufen. Das geht zum Beispiel, indem du mehrere Wochen in einem Höhenzelt schläfst. Dabei wird über normobare Hypoxie der Sauerstoffanteil gesenkt, während der Luftdruck gleich bleibt.

Durch diese kontrollierte Exposition kann der Körper schon vorab mit Anpassungen an sauerstoffarme Bedingungen beginnen. So lässt sich im Voraus sehen, wie Schlafqualität, Erholungsgefühl und Sauerstoffsättigung auf einen simulierten Höhenreiz reagieren.

Ein Höhenzelt ersetzt die Akklimatisierung in den Bergen nicht, macht den Prozess aber kontrolliert, messbar und planbar. In vielen Fällen kann das die Wahrscheinlichkeit einer Höhenkrankheit deutlich senken.

So überwachst du das objektiv

Die Anfälligkeit für Höhenkrankheit kannst du nie vollständig vorhersagen, aber immer besser verfolgen. Objektives Monitoring hilft dir, früher zu erkennen, ob du dich gut anpasst oder gerade ins Hintertreffen gerätst. Schau dabei nicht auf einzelne Momentaufnahmen, sondern auf Trends.

1. SpO2-Trend

Miss deine Sauerstoffsättigung am besten unter vergleichbaren Bedingungen, zum Beispiel morgens in Ruhe. Eine einzelne Messung sagt wenig aus. Der Trend über mehrere Tage ist nützlicher. Wenn deine SpO2 stabil bleibt oder sich allmählich verbessert, während du höher gehst, ist das meist ein günstigeres Signal als ein sinkender Trend in Kombination mit Beschwerden.

Mehr Hintergrund liest du unter Sauerstoffsättigung in der Höhe.

2. Schlafqualität

Achte darauf, wie schnell du einschläfst, wie oft du aufwachst und wie ausgeruht du aufstehst. Schlechter zu schlafen ist in der Höhe normal, aber mehrere Nächte mit deutlicher Verschlechterung sind ein Signal, wachsam zu bleiben.

3. Erholungsgefühl und Entwicklung der Symptome

Frag dich jeden Tag:

  • nehmen die Kopfschmerzen zu oder ab?
  • esse ich normal?
  • fühle ich mich bei Belastung besser oder gerade schwerer als erwartet?
  • erholt sich mein Körper nach einer Ruhepause ausreichend?

Konkrete Entscheidungsregel: Nehmen deine Beschwerden nach einem Aufstieg zu und bessern sie sich mit Ruhe nicht, planst du keinen weiteren Aufstieg ein. Halten die Symptome an oder verschlimmern sie sich, ist Absteigen vernünftig.

Vier praktische Risikoprofile

Um die Anfälligkeit für Höhenkrankheit konkreter zu machen, kannst du dich grob in einem dieser Profile wiedererkennen:

Profil 1: Niedriges Risiko

Du hast früher gut auf Höhe reagiert, steigst ruhig auf und planst genügend Akklimatisierungstage ein. Auch am Anfang bleibst du bewusst unter deinem maximalen Belastungsniveau.

Profil 2: Mäßiges Risiko

Du hast noch wenig Erfahrung mit größerer Höhe, aber einen einigermaßen ruhigen Plan. Du weißt noch nicht genau, wie dein Körper reagiert, und musst deshalb besonders aufmerksam überwachen.

Profil 3: Erhöhtes Risiko

Du hattest früher Beschwerden, deine Reise beginnt hoch oder du hast ein kompaktes Programm. In diesem Fall ist eine konservative Strategie vernünftig.

Profil 4: Hohes Risiko

Du hattest früher eine deutliche Höhenkrankheit, hast wenig Spielraum im Reiseplan und gehst auf 4000 Meter oder höher. Dann ist eine gründliche Vorbereitung unverzichtbar, und eine Vorakklimatisierung ist oft eine logische Wahl.

Wie senkst du die Wahrscheinlichkeit einer Höhenkrankheit deutlich?

Langsam aufsteigen

Das bleibt die Basis. Ruhiges Aufsteigen gibt dem Körper Zeit, sich anzupassen, und bleibt wirksamer, als Probleme im Nachhinein zu lösen.

Vorab nach Schlafhöhe planen

Schau nicht nur auf die Tageshöhe, sondern vor allem darauf, wo du schläfst. Gerade die Schlafhöhe bestimmt in hohem Maß, wie viel physiologischen Reiz dein Körper verarbeiten muss.

Vorakklimatisierung zu Hause

Für Reisen in größere Höhe kann eine Vorakklimatisierung zu Hause ein kluger Schritt sein. Besonders bei einem straffen Zeitplan oder einer früheren Anfälligkeit für Höhenkrankheit kann das einen wichtigen Unterschied machen. Mehr dazu liest du unter Akklimatisierung zu Hause für Bergexpeditionen.

Schlafen in einem Höhenzelt

Ein Höhenzelt arbeitet mit normobarer Hypoxie. Dabei wird der Sauerstoffanteil gesenkt, während der Luftdruck gleich bleibt. Ziel ist es, den Körper vorab kontrolliert einem Reiz auszusetzen, der der Höhe ähnelt. Schlafen ist dabei der primäre Reiz, weil eine lang anhaltende nächtliche Exposition meist wirksamer ist als kurze einzelne Sitzungen.

Ein Höhenzelt ersetzt die Akklimatisierung in den Bergen nicht, macht den Prozess aber kontrolliert, messbar und planbar. Bei schrittweisem Aufbau und SpO2-gesteuerter Anpassung wird ein Höhenzelt die Wahrscheinlichkeit einer Höhenkrankheit deutlich senken, vor allem bei Reisen über 4000 Meter oder bei Menschen mit einem erhöhten Risikoprofil.

Mehr praktischen Hintergrund findest du in dem kompletten Leitfaden zur Nutzung eines Höhenzelts.

Wann solltest du besonders vorsichtig sein?

Besondere Vorsicht ist in den folgenden Situationen sinnvoll:

  • du hattest schon einmal eine Höhenkrankheit
  • du wirst oberhalb von 4000 bis 5000 Metern schlafen
  • deine Reise beginnt direkt in großer Höhe
  • du hast wenige Tage, um ruhig aufzubauen
  • du bemerkst schon früh deutliche Signale einer verminderten Anpassung

In diesen Fällen ist es klug, vorab nicht nur an die Routenplanung zu denken, sondern auch an eine aktive Strategie, um deine Anfälligkeit für Höhenkrankheit aufzufangen.

Fazit: Wie anfällig bist du für Höhenkrankheit?

Die Anfälligkeit für Höhenkrankheit lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit vorhersagen, aber du kannst das Risiko viel besser einschätzen, als die meisten Menschen es tun. Die größten Risikofaktoren sind ein schneller Aufstieg, eine frühere Höhenkrankheit, eine hohe Starthöhe und die individuelle physiologische Anfälligkeit. Eine gute Kondition ist dabei kein verlässlicher Schutz.

Wer seine Anfälligkeit für Höhenkrankheit ernst nimmt, entscheidet sich für einen realistischen Aufstiegsplan, verfolgt objektive Trends wie SpO2 und Schlafqualität und greift früh ein, wenn Symptome zunehmen. Damit erhöhst du nicht nur deine Sicherheit, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Tour genießen kannst, statt von ihr eingeschränkt zu werden.

Gehst du bald auf 4000 Meter oder höher?

Hast du einen straffen Reiseplan, warst du früher anfällig für Höhenkrankheit oder willst du besser vorbereitet aufbrechen? Dann kann ein kontrolliertes Vorakklimatisierungsprogramm einen großen Unterschied machen.

Hier findest du die Akklimatisierungspakete für 4000 Meter

Lies Erfahrungen anderer Bergreisender mit dem Höhenzelt

Lies unseren Haftungsausschluss zu Höhen- und Gesundheitsinformationen